In seinem Kommentar Zevach Pesach zur Haggada beantwortet der große spanische Gelehrte Don Isaac Abarbanel (1437–1508) diese Frage.

Aber zuerst noch eine andere Frage: Warum wird das Hallel bei Anlässen rezitiert, an denen wir die Rettung und Erlösung der Juden feiern? Warum wurden gerade diese Kapitel der Psalmen (113–118) ausgewählt, um G-tt Lob und Dank zu erweisen? Der Talmud erklärt1, dass das Hallel fünf Themen der Erlösung erwähnt: den Auszug aus Ägypten, die Durchquerung des Roten Meeres, die Übergabe der Tora, die Auferstehung der Toten und die Wehen der endgültigen Erlösung. Der Talmud erklärt weiter, wo im Hallel jedes dieser Themen erwähnt wird – entweder explizit oder durch Anspielungen.

Der Auszug aus Ägypten, die Durchquerung des Meeres und die Übergabe der Tora werden alle in den ersten beiden Kapiteln des Hallel erwähnt. Beim Seder sprechen wir nach dem Rezitieren dieser beiden Kapitel den Segen Asher Ge’alanu („der uns erlöst hat”) und essen die Mazza – beides erinnert an die Wunder und Erlösungen der Vergangenheit.

Die folgenden Kapitel des Hallel erwähnen die Wunder, die in der Zukunft mit dem Kommen des Maschiach geschehen werden – ein Thema für sich, das es verdient, separat behandelt zu werden. Sie werden passenderweise gegen Ende des Seder rezitiert, wenn wir gerade den Propheten Elijahu begrüßt haben, der die Ankunft des Moschiach ankündigen wird, und wenn wir uns auf unsere Vorfreude, Sehnsucht und unseren Glauben an die messianische Erlösung konzentrieren.

Ich wünsche Ihnen ein frohes und koscheres Pessach-Fest!

Rabbi Baruch S. Davidson