Ich nehme an, Sie beziehen sich auf den folgenden Vorfall, der in der Tora geschildert wird:
Im vierzigsten Jahr ihres Aufenthalts in der Wüste beschwerten sich die Juden über das Manna, das ihr Hauptnahrungsmittel war. G-tt betrachtete dies als „Schlag ins Gesicht“, als Zeichen ihrer Undankbarkeit, und sandte giftige Schlangen, um das Lager der Israeliten anzugreifen. Mosche betete zu G‑tt für das Volk Israel, und G‑tt wies ihn an, eine Schlange anzufertigen und sie auf eine Stange zu setzen. Wer zu dieser Kupferschlange aufblickte, wurde geheilt (Numeri 21,5–9).
Die naheliegenden Fragen, die diese Geschichte aufwirft: a) Warum eine Schlange? b) Wenn eine Schlange positive Heilkräfte besitzt, warum verführte dann die Schlange Adam und Eva dazu, sich von G-tts Gebot abzuwenden? Man würde sicherlich nicht erwarten, dass die Schlange eine Quelle des Segens und der Heilung ist! Was symbolisiert die Schlange?
Zunächst müssen wir betonen, dass nicht die Schlange selbst die Heilung bewirkte. Mit den Worten des Talmuds: „Könnte eine Schlange [auf einer Stange] den Tod verursachen [wenn man sie nicht ansieht] oder Leben schenken [wenn man sie ansieht]? Vielmehr: Wenn Israel nach oben blickte und sein Herz dem Vater im Himmel unterwarf, wurde es geheilt; tat es dies jedoch nicht, verkümmerte es.“
Mit anderen Worten: Ihre Heilung bestand darin, zu begreifen, dass das Leben eines Juden über die natürliche Ordnung hinausgeht. Wenn sie nach oben blickten, in Richtung der geistigen Welten, taten sie Buße und bekräftigten ihr Vertrauen in G‑tt und Seine Heilkraft – und wurden geheilt.
Vor diesem Hintergrund können wir verstehen, warum die Schlange ausgewählt wurde, da dies die Sache nur noch übernatürlicher machte. Eine giftige Schlange ist eine Quelle des Unheils und der Zerstörung. Auch in spiritueller Hinsicht brachte die Schlange dieser Welt unglaublichen Schaden, als sie Eva dazu verleitete, vom Baum der Erkenntnis zu essen. Und doch war hier das Bild des Schädlings, das tatsächlich heilte! Und wie es der Bibelkommentator Nachmanides ausdrückt: „Ein Wunder im Wunder.“
Dies zeigte, wie G‑tt letztendlich die Kontrolle über alles hat und dass Er die Fähigkeit besitzt, der Welt Wohltat oder Zerstörung zu bringen, indem Er jedes der von Ihm geschaffenen Geschöpfe einsetzt.
[Wenn wir genau hinschauen, entdecken wir, dass dieselbe Heilmethode auch an anderer Stelle angewendet wird. Mosche benutzte einen bitteren Stab, um bitteres Wasser zu versüßen (Exodus 15,25 und Targum Yonatan dort). Und es war Salz, das Elisa benutzte, um das schädliche Wasser zu reinigen (2. Könige, Kapitel 2).]
Übrigens wurde die Kupferschlange von Mosche schließlich von bestimmten Juden vergöttert, da sie fälschlicherweise glaubten, sie besitze g-ttliche Heilkräfte. Dies veranlasste den gerechten König Hiskija von Jehuda (6. Jahrhundert v.u.Z.), diese Schlange zu vernichten (2. Könige 18,4).
Mit freundlichen Grüßen,
Rabbi Yisroel Cotlar
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