Die folgende Sicha stammt aus den Ergänzungen von Bd. II, S. 599, ab Chaf-Bet.

XXII. „Ein Stern geht aus Jaakow hervor, und ein Stab erhebt sich aus Jisrael.“1 Der Targum und die Midraschim2 sagen, dass sich dies auf den Maschiach bezieht. Der Jeruschalmi3 legt diesen Vers jedoch so aus, dass er sich auf jeden Juden bezieht. Hier gibt es keinen Widerspruch: Me-or Enajim4 zitiert den Baal Schem Tow dahingehend, dass jeder Jude einen Teil der Seele von Maschiach in sich trägt; somit stimmen beide Interpretationen überein, denn sie besagen letztlich ein und dasselbe.

Das bedeutet nicht, dass der Funke des Maschiach in jedem Juden nur ein latenter Aspekt ist. Wie gesagt, liest der Jeruschalmi dies aus dem Vers heraus: „Ein Stern geht aus Jaakow hervor, und ein Stab erhebt sich aus Jisrael.“ Die Worte „geht hervor“ und „erhebt sich“ implizieren, dass er ins Freie tritt. Das bedeutet also, dass jeder Jude in der Lage ist, den Funken des Maschiach in sich selbst ans Licht zu bringen.

Einfach ausgedrückt: Jeder Jude ist in der Lage, die tatsächliche Manifestation des Maschiach zu beschleunigen und herbeizuführen. Das kann man mit Hilfe von Tora und Mizwot tun. Denn Tora und Mizwot bewirken eine Läuterung der Welt. Man reduziert den Geist der Unreinheit, „Nach und nach werde Ich ihn vertreiben“5, bis hin zu „Ich werde den Geist der Unreinheit (ganz) von der Erde entfernen.“6 Dies wird mit dem Kommen des Maschiach geschehen, der das Gute und die Heiligkeit in der Welt offenbaren wird, was in dem Ziel gipfelt: „Die Erde wird von der Erkenntnis des Ewigen erfüllt sein, wie das Wasser das Meer bedeckt“7 (d. h., sie wird völlig davon erfüllt sein).

Im Zusammenhang mit der ersten Mizwa in der Tora – „Seid fruchtbar und mehret euch“8 – sagt die Gemara, dass „der Nachkomme Davids nicht kommen wird, bis alle Seelen aus dem Guf entsandt worden sind.“9 Das bedeutet, dass alle Seelen aus der Himmlischen Schatzkammer, die als Guf bezeichnet wird, entsandt werden, um in Körpern auf der Erde eingekleidet zu werden. So wie die Gemara dies über die erste Mizwa sagt, gilt es gleichermaßen für alle Mizwot in der Tora. Denn alle Mizwot implizieren das Konzept „Seid fruchtbar und mehret euch.“

Die Mizwa „Seid fruchtbar und mehret euch“ bedeutet, eine Seele hervorzubringen und diese auf der weltlichen Ebene zu manifestieren. Die Seele war bereits vorhanden, aber sie befand sich in der „Schatzkammer der Seelen.“ Durch die Mizwa „Seid fruchtbar und mehret euch“ wird sie nach unten gezogen und offenbart. So verhält es sich auch mit allen Mizwot: Man offenbart den Funken der G-ttlichkeit in dem physischen Objekt, das zur Erfüllung der Mizwa verwendet wird. Das Befolgen von Mizwot bringt also diesen Funken ans Licht, genau wie die Geburt eines Kindes.10

In diesem Sinne hat jeder Jude die Fähigkeit, die Erlösung zu beschleunigen, indem er eine Mizwa verrichtet. Man muss jedoch [wie am vorangegangenen Schabbat besprochen] darauf achten, dass die Mizwot Ma-asim Towim uMe-irim sind, Taten, die gut sind und Strahlkraft bewirken.11 Es besteht immer die Möglichkeit, dass man es nicht nur versäumt, durch die Mizwot eine Läuterung in der Welt zu bewirken, sondern auch die Vitalität der Kelipot vorübergehend verstärkt, wie im Hilchot Talmud Tora des Alten Rebben erklärt wird.12 Dies wiederum würde die „Dunkelheit“ verstärken. Im Klartext bedeutet dies:

Wenn das Studium der Tora und die Einhaltung von Mizwot das Ego und die Arroganz eines Menschen verstärken, verstärkt er den „fremden Gott in dir“13, die Vitalität der Kelipot. Von einem solchen Menschen heißt es: „Ich und er können nicht zusammen wohnen.“14 All dies wird vermieden, wenn der erste Schritt eine Awoda des Gebets ist. Dadurch wird verhindert, dass das Studium der Tora und die anschließende Einhaltung von Mizwot das Ego stärken und man sich selbst dadurch herabsetzt. Darüber hinaus wird es eine Selbstreinigung und eine Verneinung des Egos bewirken: Tora und Mizwot werden ihn läutern [wie am letzten Schabbat ausführlich erklärt].

Eine anfängliche Awoda des Gebets bewirkt Taten, die gut sind und Strahlkraft bewirken. Jede Mizwa vertreibt nach und nach die Dunkelheit und bringt Licht in die Welt. Dies wird zu dem Ziel führen: „Ich werde den Geist der Unreinheit von der Erde entfernen“, zusammen mit: „Die Erde wird von der Erkenntnis des Ewigen erfüllt sein, wie das Wasser das Meer bedeckt.“

XXIII. Bleibt die Frage: Wie kann ein Jude die Welt mit Hilfe von Tora und Mizwot veredeln? Schließlich wurde die Welt an sich vor dem Menschen erschaffen, hat also einen Anspruch auf Vorrang. Selbst am sechsten Tag der Schöpfung existierte die Welt schon einige Stunden, bevor der Mensch erschaffen wurde!

Genau aus diesem Grund finden wir, dass dem Vers „Ein Stern geht aus Jaakow hervor, und ein Stab erhebt sich aus Jisrael“ der Vers vorausgeht: „Ich sehe [das Volk] von der Spitze der Felsen, ich sehe es von den Hügeln aus.“15 Die Seele eines jeden Juden, selbst von Menschen wie wir, ist in der „Spitze der Felsen“ verwurzelt,16 verbunden mit „dem Ewigen, meinem Felsen (der Stärke) und meinem Erlöser.“17 Chassidut18 erklärt, dass jede Seele in Pnimijut haMachaschawa verwurzelt ist, der eigentlichen Essenz des „G-ttlichen Gedankens.“ Jeder Jude ist daher in der Lage, die Welt zu kontrollieren, weil die Welt durch die „G-ttliche Rede“ geschaffen wurde: „Die Himmel wurden durch das Wort des Ewigen erschaffen ...“19 Zwar heißt es, dass diese „Rede“ aus dem „Gedanken“ stammt, doch handelt es sich dabei nur um Chizonijut haMachaschawa, den äußeren Aspekt des „G-ttlichen Gedankens.“ Die Seelen Israels sind jedoch in Pnimijut haMachaschawa verwurzelt, und deshalb ist man in der Lage, die Welt zu verändern.20

Dieses Konzept stimmt auch mit der Midrasch-Interpretation21 überein, wonach sich der Begriff „Felsen“ auf die Patriarchen und „Hügel“ auf die Matriarchen bezieht. Die Realität, dass die Seele eines jeden Juden mit „dem Ewigen, meinem Felsen und meinem Erlöser“ verbunden ist, stammt von den Patriarchen und Matriarchen: Wir haben dies von ihnen geerbt. „Wie glücklich wir doch sind. Wie gut ist unser Los, wie angenehm unser Schicksal, und wie wunderschön ist unser Erbe“, dass sie uns den Aspekt „mein Fels und mein Erlöser“ vererbt haben, den Aspekt von Pnimijut haMachaschawa, der jedem Juden die Kontrolle über die Welt gibt.

All dies bezieht sich auf die Seele, die von Pnimijut haMachaschawa ist, also auch auf den Status der Seele vor ihrem Abstieg zur Erde. Dennoch wird das Ziel von „Ein Stern, der aus Jaakow hervorgeht“ und „ Ein Stab, der sich aus Jisrael erhebt“, d. h. die Offenbarung der zukünftigen Erlösung, nicht von der Seele bewirkt, während sie oben ist, sondern erst, nachdem sie auf die Erde herabgestiegen ist. Denn die letztendliche Absicht der Schöpfung ist es, eine „Dira Batachtonim – eine Wohnstätte [für die G-ttlichkeit] in den unteren Welten“22 zu errichten. Zwar hat auch die Seele in ihrem ursprünglichen Zustand oben die Eigenschaft, vom „Felsen“ zu sein; aber dort ist sie nicht mit den unteren Welten verbunden. Wenn die Seele jedoch herabsteigt und ihre Aufgabe erfüllt, wird sie das vom „Felsen“ beabsichtigte Ziel von Dira Batachtonim verwirklichen. So wird sie die zukünftige Erlösung herbeiführen.

Dies entspricht dem Grundsatz: „Der Spross Davids wird nicht kommen, bevor nicht alle Seelen aus dem Guf entsandt worden sind“: Es reicht nicht aus, Seelen in der „Schatzkammer der Seelen“ zu haben, der Guf genannt wird, oder „unter dem Thron der Herrlichkeit“23 und so weiter. Die Seele muss auf die Erde kommen. Dies allein wird die Ankunft des Sprosses Davids bewirken.

XXIV. Wir können nun die große Freude verstehen, die mit der Geburt eines Kindes verbunden ist. Für das Volk Israel ist es sicherlich eine große Freude, wenn ein weiterer Jude in diese Welt kommt. Was das geborene Kind betrifft, so scheint es jedoch anders zu sein. Schließlich bedeutet die Geburt für das Neugeborene einen gewaltigen Abstieg, wie es in der Gemara24 heißt: Wenn der Fötus im Schoß seiner Mutter ist, „brennt ein Licht über seinem Kopf ... und es wird ihm die ganze Tora beigebracht.“ In der Kabbala und Chassidut wird der außergewöhnliche Status der Seele auf ihrer Himmlischen Ebene näher erläutert. Dazu gehört im Allgemeinen auch die Zeit der Schwangerschaft. Für das Neugeborene bedeutet die Geburt also einen Abstieg in Bezug auf „Wende dich vom Bösen ab“ und in Bezug auf „Tue Gutes.“25 Es gibt einen Abstieg in Bezug auf „Wende dich vom Bösen ab“, weil der Fötus keinen Jezer haRa hat; wäre es anders, würde er im Mutterleib rebellieren und herauskommen, wie die Gemara sagt.26 Es gibt auch einen Abstieg in Bezug auf „Tue Gutes“, weil der Fötus die erhabensten Offenbarungen genießt, während er die ganze Tora gelehrt bekommt. Warum also sollte sich das Neugeborene freuen? Nichtsdestotrotz betrachtet die Tora die Geburt als ein freudiges Ereignis. Wir müssen also sagen, dass es nicht nur für das Volk Israel als Ganzes und für die Eltern im Besonderen Freude gibt, sondern auch für jeden Einzelnen, einschließlich des Neugeborenen.

Wir können dies im Zusammenhang mit zwei Aussagen in der Gemara verstehen, die zwischen einem Fötus und einem neugeborenen Kind unterscheiden. Eine Quelle27 besagt, dass ein Noachide ein Kapitalverbrechen begeht, wenn er einen Fötus tötet, weil auch ein Fötus als Adam (Mensch) bezeichnet wird. In einer zweiten Quelle28 erklärt Raschi, dass ein Israelit für die Tötung des Fötus nicht hingerichtet wird, weil der Fötus nicht als Nefesch (wörtl.: Seele) bezeichnet wird. Daraus folgt, dass sich ein Fötus von einem Neugeborenen dadurch unterscheidet, dass er den Status von Adam hat, aber nicht den von Nefesch.

Die Schrift kennt vier Bezeichnungen für den Menschen: Adam, Isch, Gewer und Enosch. Der Sohar29 sagt (und dies wird in Chassidut30 erklärt), dass der Begriff Adam die höchste Qualität bezeichnet. Diese Qualität besitzt auch ein Fötus. Der Sohar31 und Chassidut,32 basierend auf dem Beweistext: „Er schuf sie als Mann und Frau ... und Er nannte ihren Namen Adam“,33 erklären, dass die besondere Qualität von Adam in der Tatsache liegt, dass Adam die Verbindung zweier Gegensätze bedeutet (männlich und weiblich; Seele und Körper). Dieser Aspekt trifft auch auf einen Fötus zu. Denn auch ein Fötus hat einen Körper, besonders im späteren Stadium der Schwangerschaft, von dem die Gemara34 sagt: „Der Kopf liegt zwischen seinen Knien ...“, was bedeutet, dass es einen Kopf, Knie und die Form aller 248 Organe gibt. Der Fötus hat auch eine Seele, die mit dem Körper verbunden ist.35 Der Fötus ist also ein Adam, eine Verbindung der beiden Gegensätze von Seele und Körper.

Nun wird der Fötus zwar als Adam bezeichnet, aber nicht als Nefesch. Auf Anhieb ist das ziemlich schwierig zu verstehen. Nefesch bedeutet Lebenskraft. Auch ein Fötus hat Lebenskraft, denn es heißt: „Er isst, was seine Mutter isst, und trinkt, was seine Mutter trinkt!“36 Außerdem hat er auch geistiges Leben, wie sich aus der Prämisse ergibt, dass ihm die ganze Tora beigebracht wird! Warum wird er dann nicht als Nefesch bezeichnet?

Der Unterschied zwischen einem Fötus und einem tatsächlich geborenen Kind besteht jedoch gerade darin, dass der Fötus „isst, was seine Mutter isst, und trinkt, was seine Mutter trinkt.“ Er isst und trinkt, aber er erreicht nichts eigenständig. Er beschäftigt sich nur mit Dingen, die bereits für ihn vorbereitet sind.37 Die Geburt hingegen markiert den Beginn von Awoda, von Birur (Läuterung, Verfeinerung), der Anstrengung auf der persönlichen Ebene. Das ist eine außergewöhnliche Eigenschaft, denn der ganze Zweck des Herabsteigens der Seele besteht darin, selbst aktiv zu werden.

G-tt ist die Quintessenz des Guten, und es ist „das Wesen des Guten, Gutes zu tun.“38 So würden wir denken, dass der Allmächtige alle Manifestationen ohne jegliche Anstrengung unsererseits bereitstellen sollte. In Wirklichkeit aber stellt G-tt alles durch unsere Awoda zur Verfügung, und Er tut dies genau deshalb, weil Er die Essenz des Guten ist, und das ultimative Gute bedeutet, dass es kein „Brot der Schande“ geben sollte.39

Das ist also der Vorteil des Geborenwerdens gegenüber dem früheren Status eines Fötus: Der Geborene hat eine eigene Vitalität und ein eigenes Leben, für das er gearbeitet hat und aufgrund dessen er selbst eine Nefesch ist. Das ganze Konzept der Awoda gilt nicht für einen Fötus. Das kommt erst nach der Geburt.

Das erklärt die große Freude, die mit einer Geburt verbunden ist. Es ist eine Freude nicht nur für die Eltern, sondern auch für den Säugling. Im Zustand eines Fötus genießt man in der Tat die erhabensten Erscheinungen, aber es fehlt der Aspekt von Awoda. Der Fötus nimmt das zu sich, was seine Mutter isst und trinkt, aber es ist nicht sein eigenes. Das Hervorkommen in die Welt bedeutet jedoch den Beginn der Awoda. Zwar beginnen die Mizwot-Verpflichtungen erst viel später (zumindest nicht vor dem Alter, in dem man sich dem Chinuch, der Ausbildung und der Erziehung unterwirft), und nicht schon mit der Geburt. Dennoch isst, trinkt und veredelt das Kind von dem Moment an, in dem es auf die Welt kommt, von sich aus. Ähnlich verhält es sich auf der spirituellen Ebene: Es gibt bereits das Potenzial von Awoda und persönlicher Anstrengung sowie die Vorbereitung für die Verwirklichung dieses Potenzials (d. h., die Einhaltung des Gebots, die Tora zu studieren, wenn es aufwächst, weil ein Vater damit beginnen muss, einem Kind die Tora beizubringen, sobald es sprechen kann40 usw.; außerdem nimmt der Säugling schon vorher Nahrung zu sich und verfeinert sie, wodurch er den Körper entwickelt, mit dem er später Tora und Mizwot beachten wird).

XXV. [An dieser Stelle folgt eine Erklärung für die Unterscheidung zwischen den beiden oben genannten Gesetzen, Anm. 95-96. Da sie zu komplex ist, haben wir uns erlaubt, sie in dieser Übersetzung wegzulassen. (Abs. Chaf-He, S. 603ff.)]

XXVI. Dies ist also die besondere Natur der großen Freude, die mit dem Ereignis einer Geburt verbunden ist. Die Geburt bedeutet den Beginn der persönlichen Awoda eines Individuums, was wiederum zu einer Veredelung der Welt führt und die zukünftige Erlösung beschleunigt. Die Fähigkeit, die Welt zu veredeln, kommt zwar aus der Neschama (Seele), dem Aspekt des „Ich sehe es von der Spitze der Felsen“, der bereits in der Neschama ist, auch wenn sie sich noch oben befindet. Nichtsdestotrotz beginnt die Seele erst ab dem Zeitpunkt ihrer Geburt, dem Zeitpunkt ihrer Manifestation in der Welt, ihre Mission der Dira Batachtonim, der Errichtung einer „Wohnstätte in den unteren Welten“, zu erfüllen. Sie tut dies nicht früher, unabhängig von ihrem Status, wie erhaben die Seele auch sein mag. Während der gesamten Zeit der Schwangerschaft bleibt die Welt so, wie sie ist. Alle Manifestationen und Veränderungen beginnen erst mit dem Moment der Geburt.

So heißt es von Mosche: „Bei seiner Geburt war das ganze Haus mit Licht erfüllt.“41 Er war auch schon vor seiner Geburt im Haus, als Fötus im Schoß seiner Mutter. Dennoch blieb das Haus dunkel. Erst zum Zeitpunkt seiner Geburt wurde das Haus mit Licht erfüllt, denn das Ereignis der Geburt signalisiert den Beginn der Awoda, die die Seele vollziehen muss.

So heißt es im Sohar (Paraschat Balak),42 dass sich der Vers „Verkünden will ich von dem Beschluss ... Ich habe dich heute gezeugt“43 auf die Geburt des Maschiach bezieht, d. h., des Maschiach, der von David abstammt (und nicht des Maschiach, der von Josef abstammt). Auf den ersten Blick mag man sich fragen, wie diese Interpretation mit dem eindeutigen Sinn der Worte „Ich habe dich heute gezeugt“ zusammenhängt. Sie ist jedoch im Zusammenhang mit dem oben Gesagten leicht zu verstehen: Das tatsächliche Ereignis der Geburt der Seele, wenn das „Ich sehe es von der Spitze der Felsen“ unten manifest wird – nicht in einem Zustand der Schwangerschaft, sondern mit dem Ereignis der tatsächlichen Geburt – markiert den Beginn von „Ein Stern geht aus Jaakow hervor, und ein Stab erhebt sich aus Jisrael“ bis hin zu „Jisrael wird tapfer sein“44, was sich auf die endgültige Erlösung bezieht, wie in verschiedenen Quellen erklärt wird.45

XXVII. Dies erklärt die Bedeutung des Verses: „Ein [guter] Name ist besser als gutes Öl, und der Tag des Todes [ist besser] als der Tag der Geburt.“46 Welche Beziehung besteht zwischen diesen Begriffen?

Der Begriff „Öl“ bezieht sich auf die Erfüllung von Mizwot, wie erklärt wird im Sohar47 (zitiert im Tanja48 ) im Kommentar zu „Es soll nicht an Öl auf deinem Kopf fehlen.“49 Was den Begriff „Name“ betrifft, so erklären unsere Weisen: „Der Heilige, gesegnet sei Er, hat eine fünfhundert Jahre dauernde Reise unternommen, um einen Namen für sich selbst zu erwerben.“50 „Ein Name ist besser als gutes Öl“ bedeutet also, dass die Awoda des Menschen nicht um seiner selbst willen erfolgt, sondern um den Erwerb von G-ttes Namen zu begründen und zu bewirken. Wie wird die Erhabenheit des „Namens“ erreicht? Durch „gutes Öl“, das Befolgen von Mizwot, guten Taten.

Dasselbe gilt für die zweite Hälfte des Verses: „… und der Tag des Todes [ist besser] als der Tag der Geburt.“ Am Tag seiner Geburt ist die Zukunft des Menschen unbekannt. Am Tag seines Todes jedoch kann man die Verwirklichung von „Du sollst gesegnet sein bei deinem Kommen, und du sollst gesegnet sein bei deinem Gehen“51 sehen, dass sein Weggang aus dieser Welt wie sein Kommen in diese Welt52 ist und darüber hinaus die Vollendung seiner Mission markiert. Aber auch dies wurde durch seinen „Tag der Geburt“ erreicht! Am Tag der Geburt gibt es bereits das volle Potential der gesamten Awoda des Menschen, von allem, was er während seines Lebens auf der Erde vollbringen wird. Wie bereits erwähnt, beinhaltet „Ich habe dich heute gezeugt“ alles, einschließlich der Offenbarung des Maschiach.

Als Mosche geboren wurde, war das ganze Haus mit Licht erfüllt. Ähnlich verhält es sich mit der „Ausstrahlung von Mosche in jeder Generation“, von der im Tikunej Sohar53 die Rede ist, bis hin zu dem Punkt, dass diese Ausstrahlung so ist „wie die Sonne, die von unten, von der Erde aus, auf die 600.000 Sterne leuchtet“:54

Jud-Bet Tammus, der zwölfte Tag von Tammus, ist der Geburtstag des Rebben (R. Josef Jizchak). In Anbetracht des Status seiner Seele und der Eltern, von denen er geboren wurde,55 besteht kein Zweifel daran, dass er während der gesamten Schwangerschaft die gesamte Tora auf höchstem Niveau gelernt hat. Dennoch war dies nicht mit der Realität des physischen Hauses und der Welt vergleichbar. Allein der Tag der Geburt markiert den Beginn – und die Verbindung – seiner Awoda, um auf die „600.000 Sterne“, die Gesamtheit Israels, auszustrahlen:56 Er verleiht allen eine besondere Fähigkeit, sogar all jenen, die einfach „den Namen Jisrael annehmen“57 (zitiert in seinem Brief von Jud-Bet Tammus58 ), und sicherlich den Chassidim und all jenen, die mit ihm verbunden sind, nämlich die Fähigkeit, Tora und gute Taten zu erwerben und die ganze Welt in eine Wohnstätte für die G-ttlichkeit zu verwandeln, damit das „ganze Haus“ (die Wohnstätte G-ttes) mit Licht erfüllt wird.

Das ist die große Freude, die mit dem Geburtstag des Rebben verbunden ist,59 und „Diese Tage bleiben in Erinnerung und werden gefeiert”, jedes Jahr.60 Es ist ein freudiger Anlass nicht nur für diejenigen, die das Verdienst haben, von seiner Lehre zu profitieren, sondern auch für diejenigen, die nur „den Namen Jisrael annehmen.“ Denn mit seiner Geburt begann er, die ganze Welt zu erleuchten.

Die Freude, die sich aus der Awoda eines Einzelnen ergibt, ist in vielerlei Hinsicht größer als die Freude, die mit der Erschaffung der Welt und der Freude über Matan Tora (die Übergabe der Tora) verbunden ist. Denn bei letzterer gab es nur die Möglichkeit; alles war latent vorhanden. Awoda hingegen verwirklicht das Potenzial. Es gibt eine Geburt, ein Hervortreten ins Freie, „Heute habe Ich dich gezeugt“ – was sich, wie gesagt, auf die Manifestation des Maschiach bezieht, und zwar sehr schnell.

XXVIII. Wir haben über den Geburtstag des Rebben gesprochen, ein Konzept, das mit Zeit zu tun hat. Die Zeit ist jedoch an den Raum gebunden. Der „Raum“, in dem der Rebbe geboren wurde, lag in unserem ehemaligen Heimatland (Russland). Auch die Erlösung von Jud-Bet Jud-Gimmel Tammus fand an diesem Ort statt.

Ich habe schon einmal erzählt,61 dass es ein Buch des Rebben, um dessentwillen dieses Fest der Erlösung gefeiert wird, gibt, in dem er eine Vision aufgezeichnet hat, die er an einem Geburtstag seines Vaters, des Rebben Raschab, hatte.62 Er vermerkt dort, dass sein Vater damals ein Ma-amar über Psalm 84 sagte. Dies geschah vierundzwanzig Jahre nach dem Tod seines Vaters.63 Daraus folgt, dass die spirituellen Aufstiege, die mit jedem Geburtstag stattfinden, auch dann weitergehen, wenn ein Mensch diese Welt verlassen hat: Jedes Jahr gibt es einen Aufstieg auf eine höhere Ebene.64

Das neue Kapitel der Psalmen, das der Rebbe ab diesem Jud-Bet Tammus liest, ist Psalm 83.65 Dort heißt es: „G-tt, schweige nicht; sei nicht stumm und sei nicht still ... Sie schmieden betrügerische Pläne gegen Dein Volk, und sie verschwören sich gegen die, die Du beschützt.“ Das Kapitel schliesst: „Dann werden sie erkennen, dass nur Du allein, dessen Name Hawaja ist, der Höchste über der ganzen Erde bist.“

Der Midrasch Tehillim66 bezieht den Vers „Schweige nicht“ auf den Grundsatz „Der Zaddik erlässt ein Dekret, und der Heilige, gesegnet sei Er, bestätigt und erfüllt es.“67

„Dein Volk sind alle Zaddikim68 gilt für alle Juden. Wenn sie also etwas beschließen, bestätigt und erfüllt der Allmächtige es. Was ordnet Israel an? „Schweige nicht, sei nicht stumm und sei nicht still.“ Es mag eine Reihe von Gründen für das Schweigen und Stillsein geben, aber wenn Juden anordnen: „Schweige nicht ... und sei nicht still“, dann ist das ein Fall von „Der Zaddik erlässt ein Dekret, und der Heilige, gesegnet sei Er, bestätigt und erfüllt es.“

Die folgenden Verse erklären den Zusammenhang: „Ja-arimu Sod – sie schmieden betrügerische Pläne gegen Dein Volk, und sie verschwören sich gegen Zefunecha, die Du beschützt.“ Der Midrasch69 kommentiert, dass die betrügerischen Machenschaften gegen die Juden mit Sod zu tun haben, d. h., mit der Tatsache, dass die Juden die Tora studieren – „Sod Haschem (das Geheimnis des Ewigen) ist für diejenigen, die Ihn fürchten.“70 „Sie verschwören sich gegen Zefunecha“; dies, so sagen die Kommentatoren,71 bezieht sich auf das Volk Israel, das von G-tt beschützt wird.

Dies wirft eine Schwierigkeit auf. Die betrügerischen Machenschaften gegen Israel beruhen nicht nur auf Israels Beschäftigung mit Sod (der esoterischen Bedeutung) der Tora, sondern auf der Tatsache, dass sie die Tora überhaupt studieren, sogar Nigle, die exoterische Bedeutung der Tora. Die Völker verschwören sich also sogar gegen diejenigen, die nur den Namen Jisrael annehmen (was ein Akronym für Jesch Schischim Ribo Oti-ot laTora72 ist), wie wir in der Realität gesehen haben. Warum verwendet unser Text dann den Begriff Sod? Und warum verwendet unser Text den Begriff Zefunecha, um auf die Einzigartigkeit Israels hinzuweisen?

Ein Problem stellt auch der abschließende Vers dar: „Dann werden sie erkennen, dass nur Du allein, dessen Name Hawaja ist, der Höchste über der ganzen Erde bist“ Die Formulierung „nur Du allein, dessen Name Hawaja ist“ bedeutet die ultimative Transzendenz G-ttes,73 die völlig jenseits des Schöpfungsprozesses liegt [wie später ausführlich erklärt wird74 ]. Der Ausdruck „der Höchste über der ganzen Erde“ bezieht sich jedoch auf die Welt [die Immanenz G-ttes], wenn auch unter dem Aspekt des „Höchsten“ über der ganzen Erde. Wie können diese beiden Begriffe miteinander verbunden werden?

Das jüdische Volk hat Mesirat Nefesch für Tora und Mizwot, einschließlich Galja deTora, dem offenbarten (exoterischen) Teil der Tora. Mesirat Nefesch leitet sich von Satim deNischmata,75 dem verborgenen (inneren) Aspekt der Seele ab, der mit Satim deKudscha Berich Hu, der verborgenen Realität G-ttes, durch Satim deOrajta, die verborgene Dimension der Tora, verbunden ist.76 Diese Tatsache beunruhigt „Esaw“77 gewaltig. „Esaw“ ist bereit, die offenbarten und manifesten Aspekte zu ertragen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Denn auch „Esaw“ hat Anteil an dem geoffenbarten Teil der Tora (d. h. an den Gesetzen der sieben Gebote des Noachidischen Kodex78 ). Die Tatsache, dass „Esaw Jaakow hasst“79, entstammt also nicht dem Exoterischen. Sie rührt von Satim deOrajta und Satim deNischmata her, dem verborgenen Aspekt der Tora und dem verborgenen Aspekt der Seele, die auch die exoterischen Aspekte beleuchten und durchdringen. Esaw hat keinen Anteil daran, und deshalb kann er sie nicht ertragen. So heißt es: „Ja-arimu Sod“: Der Hauptgrund, warum „sie betrügerische Pläne gegen Dein Volk schmieden“, ist der Aspekt von Sod.

Dies zeigt sich auch bei der Verhaftung und Befreiung von Jud-Bet Jud-Gimmel Tammus. Der Rebbe opferte sich für alles, sogar für das einfache Lernen von Alef-Bet; aber alles war durchdrungen von Pnimijut, dem Aspekt von Satim und Sod.

Der Allmächtige handelt mit dem Menschen „Maß für Maß“:80 Da das jüdische Volk Satim deNischmata (den verborgenen Aspekt der Seele) durch Satim deOrajta (den verborgenen Aspekt der Tora) erweckt, ist es mit Satim deKudscha Berich Hu, der verborgenen Realität G-ttes, verbunden. Deshalb werden sie als Zefunecha bezeichnet, diejenigen, die von G-tt verborgen (beschützt) werden.

Esaw kann dies nicht ertragen. So „schmieden sie betrügerische Pläne gegen Dein Volk und verschwören sich“ wegen der Aspekte von Sod und Zefunecha. In diesem Zusammenhang ordnet Israel an: „Schweige nicht, sei nicht still und sei nicht stumm.“ Während sie dies verfügen, bestätigt und erfüllt G-tt es. Auf diese Weise „Wejede-u – werden sie erkennen, dass nur Du allein ...“ Wejede-u ist sprachlich verwandt mit Jedi-a (Wissen) sowie ein Ausdruck für Zerbrechen – wie in „Wajoda, er züchtigte (wörtl.: zerbrach) mit ihnen die Männer von Sukkot.“81 Die Implikation ist, dass die Kelipot zerbrochen werden und es eine Manifestation der G-ttlichkeit in der Welt gibt.

Diese Manifestation wird so aussehen: „Dann werden sie erkennen, dass nur Du allein, dessen Name Hawaja ist, der Höchste über die ganze Erde bist.“ Denn der Allmächtige handelt „Maß für Maß.“ So wie das jüdische Volk durch seine Awoda eine Verbindung des Verborgenen (Satim) mit dem Offenbarten (Galja) bewirkt, so dass Galja von Pnimijut durchdrungen wird, so wird der Allmächtige bewirken, dass der Aspekt von „nur Du allein, dessen Name Hawaja ist“ auf die Erde ausstrahlt, um sich in der Welt selbst zu manifestieren.

Dieser Aspekt zeigte sich bei der Erlösung von Jud-Bet Jud-Gimmel Tammus, einem Ereignis, bei dem G-tt große und wundersame Dinge auf der Erde tat. So ist es eine Vorbereitung auf die endgültige Erlösung, wenn „euer Meister sich nicht mehr verbergen wird [sondern eure Augen werden euren Meister sehen]“82 und „alles Fleisch wird sehen ...“:83 sogar die materielle Realität wird die G-ttlichkeit in einer Weise wahrnehmen, weil sie dann nicht mehr verborgen ist.84

Wie gesagt, die Erlösung von Jud-Bet Tammus fand in unserem früheren Heimatland statt. Auch die zu erwartenden Manifestationen werden in eben jenem Land beginnen, das gegenwärtig die größte Unterdrückung erleidet.85 Von dieser untersten Ebene aus beginnt „Ufarazta – du wirst dich nach Westen und Osten, nach Norden und Süden ausbreiten ...“86 und von dort aus wird sie sich auf den Rest der ganzen Welt ausdehnen. „Dann werden sie erkennen, dass nur Du allein, dessen Name Hawaja ist, der Höchste über der ganzen Erde bist“: Sogar auf der untersten Ebene wird es eine Manifestation der G-ttlichkeit mit der endgültigen Erlösung durch unseren gerechten Maschiach geben, und zwar sehr schnell.

(Adaptiert aus einer Sicha gehalten am Schabbat Paraschat Chukat-Balak 5722)