In der Paraschat Wajechi sehen wir das Ergebnis der positiven Wahrnehmung der Ereignisse durch Josef und Jakob. Beide erkannten, wie scheinbar negative Erfahrungen tatsächlich einen weitreichenden positiven Verlauf in Gang setzten.

Josef war in der Lage, den Zorn zu überwinden, den die meisten gegenüber seinen Brüdern empfunden hätten. Ebenso hatte Jakob 22 Jahre lang gelitten, ohne zu wissen, dass sein geliebter Sohn noch am Leben war. Bei ihrem Wiedersehen erkannte Jakob einen größeren g-ttlichen Plan, der seine Familie vor der Hungersnot retten sollte. Der Midrasch 1 berichtet, dass er in diesem Moment der Klarheit spontan das Schma laut rezitierte. Endlich konnte Jakob die Bedeutung all dessen begreifen, was er bestanden hatte. Überwältigt von Emotionen war seine erste Reaktion, seine große Dankbarkeit gegenüber G‑tt, demjenigen, der all dies ermöglicht hatte, zum Ausdruck zu bringen.

Aber warum rezitierte er gerade in diesem Moment das Schma?

Das Schema erklärt, dass G‑tt eins ist: „Haschem Echad“. Die Wahrnehmung der Einheit erkennt G‑tt’s Einheit in den scheinbar fragmentierten Teilen unseres Lebens an – dass sie in Wahrheit vereint sind. Vielleicht bedecken wir unsere Augen, wenn wir diese Worte rezitieren, um zu betonen, dass die Dinge nicht unbedingt so sind, wie sie scheinen. Denn selbst das, was schlecht erscheint, kann verborgene Gutes in sich bergen.

G‑tt versprach Jakob, dass er ihn nach Ägypten begleiten und wieder zurückbringen würde, „und Josef wird seine Hand über deine Augen legen.”2 Der Sohar3 erklärt, dass die Lebensgeschichte Josef – der für tot gehalten wurde, aber stattdessen über Ägypten herrschte – als „Hand über Jakob’s Augen“ dienen würde, die es ihm ermöglichte, von dem abzusehen, was schlecht erschien, und zu erkennen, dass es letztendlich dazu bestimmt war, sich zu einem größeren Guten zu entwickeln.

Eine dauerhafte Verbindung

In Wajechi, dem letzten Teil des Buches Genesis, kommen wir zum Ende der patriarchalischen Ära. An ihrem Höhepunkt verschmilzt der fortdauernde Glaube von vier Generationen. Als Jakobs zwölf Söhne um das Sterbebett des Patriarchen versammelt sind, sprechen auch sie gemeinsam laut: „Schma Israel, Haschem Elokeinu, Haschem Echad“ („Höre, Israel, der Ewige, unser G‑tt, der Ewige ist eins“).4

Einmütig bekundeten sie ihren Glauben an den einen G‑tt Israels. Die in diesem Moment zum Ausdruck gebrachte Einigkeit symbolisiert ihre Verbundenheit mit dem Glauben ihres Vaters. Jakob war nun sicher, dass der Glaube, den ihm sein Vater und sein Großvater anvertraut hatten, tatsächlich an die gesamte nächste Generation weitergegeben worden war. Obwohl jeder von Jakobs Söhnen anders war, verband sie ihr gemeinsamer Glaube.

In unserem eigenen Leben ist es ganz natürlich, dass wir uns in den Details unserer Herausforderungen verlieren. Es ist jedoch wichtig, sich bewusst zu machen, dass wir alle Teil eines größeren Ganzen sind. Die Worte des Schma erinnern uns daran: Lassen Sie sich nicht von negativen Gedanken überwältigen. Bemühen Sie sich, eine positive Einstellung zu entwickeln und zu bewahren.

Betrachten Sie die Ereignisse Ihres Lebens als Teil eines weitreichenden Weges, an dessen Ende das ultimative Gute steht. Identifizieren Sie Ereignisse in Ihrem Leben, die zunächst negativ erschienen, aber rückblickend einen positiven Einfluss auf Sie oder andere hatten.

  • Wenn Sie eine negative Erfahrung machen, versuchen Sie, diese aus einer übergeordneten Perspektive zu betrachten.
  • Versuchen Sie, die Erzählungen Ihres Lebens von negativ zu positiv umzuformulieren, indem Sie einen Blick auf das Gute werfen.
  • Denken Sie über bestimmte Werte, Überzeugungen und Rituale nach, die Sie an die nächste Generation weitergeben möchten. Welche sind das?