Ki Tawo
Lieber Leser,
im ersten Teil der dieswöchigen Sidra Ki Tawo befasst sich die Tora mit der Mizwa und dem Vorgang des Darbringens der "Bikurim", der "ersten Früchte" jedes Jahres. Der jüdische Landwirt war verpflichtet, die erlesenen ersten Früchte seines Ertrages zum Tempel zu bringen, um auf diese Weise seiner Dankbarkeit G-tt gegenüber für die Segnung des Landes Ausdruck zu verleihen.
Diese Vorschrift von "Bikurim" war durch eine Reihe von unerlässlichen Bedingungen eingeschränkt. Zum Beispiel war sie nur für Landbesitz im Heiligen Land gültig, und auch dies nur, solange der Tempel bestand. Ferner war zu dieser Abgabe nur jemand verpflichtet, der eine Parzelle von besonders fruchtbarem Boden sein eigen nannte. Außerdem unterlag sie nach einer zeitlichen Beschränkung, denn sie ging nur an für die Zeitspanne zwischen Schawuot – Frühsommer – und Sukkot – Herbst.
Indessen enthält die Vorschrift der "ersten Früchte", ungeachtet dieser scheinbar recht engen Anwendbarkeit, eine Lehre, die sich über eine viel breitere Ebene erstreckt. Wir sollen "von den ersten aller Früchte des Bodens" nehmen und diese in das Heiligtum zum Priester bringen. Das besagt: Das Beste von unseren materiellen Gütern sollen wir für heilige Zwecke bestimmen. Wie Maimonides es ausdrückt: "Wenn man dem Armen zu essen gibt, dann soll man ihm die besten und köstlichsten Speisen seines Tisches geben. Mit den besten Gewändern aus seiner Gaderoe soll man die Nackten kleiden. Und wenn man ein G-tteshaus baut, dann soll man es schöner als sein eigenes Haus machen."
Schabbat Schalom und Ketiwa wa Chatima towa
Paraschat "Ki Tawo" erwähnt u.a. die Mizwa der Erstlingsfrüchte Israels, welche in einem Korb zu legen und im Heiligtum als Dankopfer für G-tt darzubringen waren, wie es heißt: "Ihr sollt sie (d.h. die Erstlingsfrüchte) in einen Korb legen ..."
Kann man planen, gesegnet zu werden? Gewiss, wir glauben, auf mancherlei Weise gesegnet zu werden, wenn wir leben, wie G-tt es uns befohlen hat.
Im neuen Wochenabschnitt finden wir eine ausführliche Beschreibung der schlimmen Folgen, die dem Volk Israel drohten, wenn es nach dem Einzig ins Heilige Land G-tt nicht angemessen diente. Einige dieser Folgen waren: Verwüstung, Hungersnot, Krieg, Krankheit und Exil.
Die ethische Persönlichkeit muss sich bemühen, ihr Eigenleben, ihr tägliches Verhalten in völliger Harmonie mit ihren Überzeugungen zu gestalten, so dass dieser Mensch genau nach der Norm von Moral und Ethik lebt, die er sich gesetzt hat.
Sportler müssen sich so auf ihren Wettkampf konzentrieren, dass nichts sie ablenken kann. Auch wir sind in diesem Zustand am produktivsten.
Rabbi Josef Dow Soleweitschik, der Raw und Gaon, erzählte: Als ich im Dorf Chaslwitsch einen Tag vor Rosch Haschana im Cheder lernte, fiel mir auf, dass mein Lehrer, ein Chabad-Chassid, ungewöhnlich heiter war.
Es war einmal ein einfacher, ungebildeter Jude. Er führte eine Schenke an einer einsamen Strassenecke, einige Reisewochen von der nächsten jüdischen Gemeinde entfernt. Die hohen Feiertage kamen näher, und er beschloss dieses Jahr für Rosch Haschana in die jüdische Stadt zu fahren.